Risikowahrnehmung von Laien und Experten

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Auszug aus dem Redemanuskript zum 2. Internationalen Geothermie-Kongress St. Gallen

[…] Wir wechseln die Perspektive und fragen noch einmal, wie Laien und Experten Risiken wahrnehmen? Dieses Mal die empirische Sicht der Wissenschaft.

Laien verfügen über kein spezifisches Fachwissen. Deshalb werden Risiken auf der Basis eigener Anschauung oder vom Hörensagen oder auf der Grundlage von Medienberichten bewertet. Aus diesem Grund ist das Wissen meist unvollständig. Deshalb geht es in der Risikokommunikation um Aufklärung. Wohl gemerkt um Aufklärung und nicht darum, von der Beherrschbarkeit überzeugen zu wollen.

Die Vorstellung, welche Schäden möglich sind, resultiert oft aus der Alltagswelt. Risse an Häusern durch seismische Ereignisse erscheinen da gewissermaßen als fast zwangsläufig. Laien argumentieren aus der Perspektive persönlicher Betroffenheit. Aus dieser Perspektive ist es ebenfalls logisch, dass nach dem Worst-Case-Szenario gefragt wird. Schließlich bin ich es, der am Ende den Schaden hat.

Bereits die Annahme des Worst-Case-Szenarios basiert auf einer ganz eigenen Wahrscheinlichkeitsrechnung. Es handelt sich um eine eigene Logik, die ernst genommen werden sollte und aus der Perspektive Betroffener ihre Berechtigung hat. Die Betroffenen haben schlicht Angst. Zahlen zur Eintrittswahrscheinlichkeit oder zum wahrscheinlichen Schadensausmaß helfen da wenig.

Hinzu kommt, dass sich die Betroffenen oft einem Risiko ohnmächtig ausgesetzt fühlen. Deshalb ist die Beteiligung, der Dialog, so wichtig. Aus der Psychologie weiß man, dass Menschen sehr wohl bereit sind, Risiken einzugehen, wenn das ihrer freien Entscheidung entspricht. Aus diesem Gefühl der Ohnmacht resultiert jedenfalls oft die Opferhaltung und damit verbunden der Täter-Vorwurf.

Weil Betroffene Risiken moralisch beurteilen, wird oft der Vorwurf laut, dass gegen Schutz oder Fairness verstoßen wird. Deshalb ist es so wichtig, den Nutzen eines Risikos und die eigene moralische Integrität zu verdeutlichen. Projektbetreiber mit lokalem Bezug tun sich hier deutlich leichter, als Projektbetreiber mit Investoren aus dem Big Business.

Häufig werden Gegner als Nimbys oder als Egoisten beschimpft. Dabei gilt vielen Menschen die Heimat als Rückzugsort von den Unwägbarkeiten der Moderne.

[…] Und wie sehen Experten Risiken? Experten beurteilen Risiken naturgemäß auf der Grundlage ihrer wissenschaftlichen Expertise. Deshalb überwiegen oft Zahlen und Normen. Menschen kommen oft viel zu wenig vor.

Aufgrund ihrer Expertise und ihrer langjährigen Ausbildung beanspruchen sie gelegentlich eine Art Deutungsmonopol, das einen Dialog scheinbar entbehrlich macht. Das alleine ruft schon Widerstand hervor. Noch schlimmer ist es, wenn eine gewisse Arroganz zum Vorschein kommt.

In einer Demokratie sind aber fachliche Argumente nicht sakrosankt, sondern müssen sich diskursiv durchsetzen. Deshalb geht es um mehr als um Argumente, nämlich um die Beziehung zu den Menschen, die einem Risiko ausgesetzt werden sollen. Gleichzeitig geht es um Information, nicht darum, Überzeugungsarbeit zu leisten.

Experten sehen sich gerne als Diener im Interesse des Allgemeinwohls. Damit einhergeht, dass man sich einer Diskussion entzieht, da ja alles zum Wohle der Allgemeinheit gemacht wird. Dass dabei gerne auch die eigenen Interessen verschwiegen werden, macht Experten unglaubwürdig.

Dass Experten oft kein Verständnis für die moralischen Argumente der Gegner haben, ist insofern von großem Nachteil, da Risiken besonders dann akzeptiert werden, wenn sie als moralisch gerechtfertigt angesehen werden. […]

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